Vorurteile

Geschlechtsspezifische Rollenklischees - die Wirklichkeit sieht anders aus

Typisch Mädchen? Typisch Junge? Typisch Kind!

Mädchen mögen rosa Glitzer, Jungs wilde Abenteuer? Jungen können besser rechnen, Mädchen haben ein besseres Sprachverständnis? Mädchen spielen mit Puppen, Jungen mit Autos? … Stopp! Ganz schön viele Vorurteile, die den Geschlechtern zugewiesen werden. Diese traditionellen Rollenbilder sind wissenschaftlich längst überholt. Aber woher kommt unser Blick auf die Geschlechter und wie können Sie als Eltern damit umgehen?

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Vorurteile

Angeboren oder anerzogen?

Wenn es um Mädchen und Jungen geht, sind wir alle schnell dabei, in Schubladen zu denken:

  • Mädchen sind überwiegend fürsorglich, ängstlich, brav, einfühlsam, zickig, schreiben schöner, strengen sich mehr an und sind besser in der Schule, spielen Prinzessinnen oder Vater-Mutter-Kind, gehen zum Reiten und Tanzen …
  • Jungen sind überwiegend cool, mutig, risikofreudig, aggressiv, rechnen besser, passen sich weniger an, sind schlechter in der Schule, toben und spielen Feuerwehrmann oder Cowboy, gehen zum Fußball oder Kampfsport …

Richtig ist, dass sich aufgrund der genetischen Veranlagung die körperlichen Merkmale unterscheiden:

  • Angeboren sind das Geschlecht, der Körperbau, die Muskel- und Fettverteilung und weitere hormonbedingte Unterschiede.
  • Mädchen erreichen eine Körpergröße, die im Durchschnitt einige Zentimeter unter der von Jungen liegt.
  • Mädchen kommen in der Regel früher in die Pubertät als Jungen. 
  • Das Wachstum von Mädchen endet bereits mit ca. 16 Jahren, während Jungen noch bis zum 19. Lebensjahr weiterwachsen können.
  • Jungen haben einen kräftigeren Körperbau und beim gleichen Körpergewicht mehr Muskelanteile als Mädchen.
  • Jungen haben mehr Testosteron im Blut, das macht sie risikofreudiger. Aus diesem Grund ist das Unfallrisiko von Jungen in der Kindheit tatsächlich höher. 

Nicht richtig ist, dass „typische“ Eigenschaften eindeutig Mädchen oder Jungen zuzuschreiben sind. Auch wenn sich traditionelle Rollenbilder hartnäckig halten, ist sich die Wissenschaft darüber einig: Die Entwicklung von Kindern wird maßgeblich durch die Erziehung, die Rollenvorstellungen der Erwachsenen, gesellschaftliche Normen und Werte sowie die gelebten Traditionen im Umfeld des Kindes geprägt. Daher kommt dem sozialen Umfeld des Kindes eine große Bedeutung zu.

Wie wirken sich traditionelle Rollenklischees und Vorurteile auf die Entwicklung aus?

Bereits von Geburt an werden Mädchen und Jungen je nach Geschlecht unterschiedlich behandelt. Schon in der Geburtsklinik bekommt zum Beispiel ein Mädchen noch oft ein rosafarbenes Namensbändchen, ein Junge ein blaues. Auch das Marketing von Unternehmen unterstreicht häufig die traditionellen Rollenbilder für Spiel- und Süßwaren. So verfestigen sich Rollenbilder bei Kindern bereits im Alter von drei bis vier Jahren. Das kann sich unter anderem später auf die Berufs- und Studienwahl auswirken. Rollenklischees sind auch eine der Ursachen für die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern und die Tatsache, dass Frauen in Führungspositionen nach wie vor unterrepräsentiert sind.

Raus aus den Rollenklischees: Wie geht’s?

Auch wenn es biologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt – viele Eltern möchten so erziehen, dass ihr Kind sich nicht von vornherein in eine bestimmte Rolle hineingedrängt fühlt. Das ist gar nicht so einfach, denn Geschlechterklischees lauern überall. Und oftmals tappen wir ganz unbewusst in die Falle. Doch als Eltern haben Sie eine wichtige Vorbildfunktion für Ihr Kind. Das gilt auch für die Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern.

Hier kommen ein paar Beispiele, wie Sie in der Erziehung positiven Einfluss auf Klischees und gängige Vorurteile nehmen können:

  • Bieten Sie Ihrem Kind die freie Wahl, mit welchem Spielzeug es sich beschäftigen möchte.
  • Lassen Sie Ihrem Kind bei der Wahl der Kleidung und Farben alle Möglichkeiten.
  • Achten Sie bei Büchern und Medien auf eine klischeefreie Geschlechterdarstellung. 
  • Trauen Sie Ihrer Tochter genau die gleichen Dinge zu wie einem Sohn.
  • Fordern Sie Ihren Sohn genauso oft dazu auf, im Haushalt zu helfen und beispielsweise die Geschirrspülmaschine zu leeren wie eine Tochter. 
  • Ermutigen Sie Ihre Tochter zu Bewegungsspielen und körperlichen Ausdrucksformen genauso wie einen Sohn. 
  • Fördern und ermutigen Sie Ihren Sohn genauso, seine Gefühle auszudrücken, wie eine Tochter. Weinen ist erlaubt, auch für Jungen!
  • Ermöglichen Sie Ihrem Kind, eigenen Interessen nachzugehen, ohne diese in „typisch/untypisch“ einzuordnen.
  • Kochen Sie mit Ihrem Sohn gemeinsam genauso oft wie mit einer Tochter.
  • Zeigen Sie Ihrer Tochter, wie man einen Fahrradschlauch repariert genauso wie einem Sohn.
  • Vermeiden Sie stereotype Kommentare wie „typisch Junge“, „sie ist eine Zicke“, „ein Junge weint nicht“ oder „Mädchen können nicht rechnen“.
  • Unterscheiden Sie bei Komplimenten nicht nach dem Geschlecht: Machen Sie Ihrer Tochter kein Kompliment, das Sie einem Sohn nicht auch machen würden, und umgekehrt.
  • Suchen Sie in Ihrem Umfeld positive Beispiele an weiblichen und männlichen Rollenvorbildern. 
  • Zahlen Sie Ihrer Tochter genauso viel Taschengeld wie einem Sohn. 
  • Seien Sie als Eltern gute Vorbilder und zeigen Sie, dass es zu Hause keine typischen Aufgabenverteilungen zwischen Mutter und Vater gibt.
  • Diskutieren Sie Vorurteile und die typischen Fallen gemeinsam mit Ihrem Kind. 

Unter www.klischee-frei.de finden Sie viele Tipps, wie Eltern Kinder ermutigen können, den eigenen Talenten und Stärken zu folgen, sowie Jugendliche dazu ermuntern, bei der Berufswahl gängige Rollenklischees zu hinterfragen.