Lebensphasenorientierte Personalpolitik

Wie Sie Beschäftigte in jeder Lebenslage unterstützen können

Flexibel und effizient: Fünf Tipps zur lebensphasenorientierten Personalpolitik

Niemand kann das eigene Alter, die persönliche Lebenssituation und die eigenen Bedürfnisse am Betriebstor oder der Bürotür abgeben – diese Gegebenheiten begleiten ein Arbeitsverhältnis von Beginn an. Betriebe, die auf langfristig zufriedenes und qualifiziertes Personal Wert legen, wissen das. Sie können das Konzept der lebensphasenorientierten Personalpolitik nutzen, denn es sorgt für bestmögliche Unterstützung und ist für alle Seiten ein Gewinn.

Image

 

Bei der lebensphasenorientierten Personalpolitik steht der beschäftigte Mensch  mit seinen persönlichen Bedürfnissen im Vordergrund – Bedürfnisse, die sich je nach Lebensphase ändern können. Ob Ehrenamt oder Kinderbetreuung, ob Pflege von Angehörigen, zeitaufwändiges Hobby oder Fernbeziehung – Arbeitnehmende haben immer auch ein Leben neben der Erwerbsarbeit, das eigene Anforderungen stellt.

Die Herausforderung für Unternehmen besteht darin, Lebens- und Arbeitsphasen optimal miteinander zu kombinieren. Ein Aufwand, der sich nicht nur für die Beschäftigten lohnt: Zufriedene Beschäftigte sind motivierter, wechseln nicht so häufig den Arbeitgeber, sind seltener krank und tragen so zu gesteigerter Produktivität bei.

Zugleich muss sich der Arbeitsmarkt auf den sozialen Wandel einstellen: Die steigende Erwerbsarbeit von Frauen zusammen mit veränderten Rollenbildern hat das Thema Vereinbarkeit ganz nach oben auf die Agenda geschoben. Außerdem erfordern die demographischen Veränderungen durch eine alternde Bevölkerung ein Umdenken: Viele Beschäftigte pflegen Familienmitglieder und tragen hier ein großes Maß an Verantwortung. Die Belegschaften werden immer älter, während der junge Nachwuchs vermehrt auf die Work-Life-Balance achtet. 

Fünf Tipps für die Praxis

Ziel der lebensphasenorientierten Personalpolitik ist es, die Beschäftigten in jeder individuellen Lebensphase optimal zu unterstützen und zu fördern. Die folgenden Tipps geben einen Überblick über mögliche Maßnahmen und praktische Hinweise für die Umsetzung dieses Konzepts.

  1. Analysieren Sie sorgfältig Ist-Zustand und Bedürfnisse
    An erster Stelle steht die ehrliche und sorgfältige Analyse der aktuellen Situation im Betrieb:

    Wie sieht der Status Quo in Ihrem Unternehmen derzeit aus?
    Welche Ansätze gibt es bereits?
    Wo besteht Handlungsbedarf?

    Um die Situation einschätzen zu können und dies immer wieder zu aktualisieren, sind regelmäßige Mitarbeitergespräche Ihr wichtigstes Instrument. Hier können Sie herausfinden, in welcher Lebensphase Ihre Beschäftigten gerade sind und welches Arbeitsmodell am besten passen würde.
  2. Flexibilisieren Sie Arbeitszeit und -ort
    Nutzen Sie das gesamte Instrumentarium der flexiblen Arbeitszeitgestaltung. Das erschöpft sich nicht in schlichten Vollzeit- und Teilzeitmodellen. Mit Gleitzeit und Kernarbeitszeit, Arbeitszeitkonten, Sabbaticals, Jobsharing und Vertrauensarbeitszeit steht Ihrem Unternehmen ein ganzes Arsenal an Modellen zur Verfügung, die sich auf die individuellen Bedürfnisse der Beschäftigten abstimmen lassen. Die durch die Digitalisierung erweiterten Möglichkeiten der Remote-Arbeit lassen vermehrt Home-Office zu, das beispielsweise bei größeren familiären Anforderungen Entlastung bringen kann.
  3. Schaffen Sie flexible Vergütungssysteme
    Wenn die Vergütung der Arbeit flexibel gehalten wird, können sich Beschäftigte zum Beispiel das Gehalt nicht voll auszahlen lassen und so Rücklagen bilden für eine Zeit, in der sie aufgrund der persönlichen Lebenssituation nicht die volle Arbeitsleistung erbringen können. Genauso können Teile des Gehalts oder der Bonus gegen Zeit eingetauscht werden.
  4. Bieten Sie flexible Benefit-Systeme an
    Den Beschäftigten gezielt die Zusatzleistungen zu bieten, die sie in bestimmten Lebensphasen als hilfreich empfinden, ist ein wichtiger Baustein der lebensphasenorientierten Personalpolitik. Zwischen verschiedenen Arbeitsmodellen frei wählen oder Urlaubstage verrechnen zu können, lässt mehr individuellen Spielraum zu. Passgenaue Unterstützung bei der Kinderbetreuung, Beratung in Pflegefragen, Angebote zur Sport- und Gesundheitsförderung oder die Bereitstellung eines Firmenfahrrads ergänzen die finanziellen Benefits.
  5. Bauen Sie eine Unternehmenskultur des Vertrauens auf
    Schaffen Sie eine Unternehmenskultur, die den Beschäftigten die Sicherheit gibt, dass reduzierte Belastbarkeit nicht zwangsläufig einen Karriereknick zur Folge hat. Zu einer solchen Unternehmenskultur gehören Vertrauen, Transparenz und Verlässlichkeit.

Wo finden wir Hilfe und Beratung?

Das Unternehmensprogramm “Erfolgsfaktor Familie” setzt Impulse für die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen, bündelt Informationen rund um das Thema familienfreundliche Arbeitswelt und bietet Erfolgsbeispiele und Erfahrungsberichte von familienfreundlichen Unternehmen: https://www.erfolgsfaktor-familie.de/erfolgsfaktor-familie/ueber-das-programm/das-programm-erfolgsfaktor-familie-

Eine Übersicht verschiedener Arbeitszeitmodelle finden Sie auf dem Familienportal  unter

Auch die Flexibilisierung des Arbeitsortes kann zu mehr Vereinbarkeit verhelfen. In folgendem Beitrag finden Sie verschiedene Lösungen

Folgendes Checkheft führt Sie in wesentliche Handlungsfelder einer familienorientierten Personalpolitik ein und gibt Ihnen praxisnahe Beispiele und Tipps – speziell aus der Perspektive kleiner und mittlerer Unternehmen