Vereinbarkeit von Pflege und Beruf

Eine wachsende Herausforderung für viele Angestellte und Unternehmen 

Text zuletzt aktualisiert: 29.05.2024

Pflege - (k)ein blinder Fleck

Vereinbarkeit von Familie und Beruf – dabei denken die meisten an Kinderbetreuung, Elternzeit und Elterngeld sowie die Frage, welche flexiblen Lösungen die Betriebe zur Unterstützung (junger) Familien finden. Doch unsere Gesellschaft wird immer älter. Deshalb erstreckt sich Vereinbarkeit längst auch auf die Pflege von Angehörigen. 

Das Thema der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf wird für immer mehr Beschäftigte zur großen Herausforderung, auf die sich auch kleine und mittlere Unternehmen einstellen müssen. Die Pflege von Angehörigen unterscheidet sich in manchen Aspekten stark von der Betreuung jüngerer Kinder: Während eine Schwangerschaft neun Monate dauert und alle Beteiligten Zeit haben, sich auf den neuen Lebensabschnitt einzustellen, kann ein Pflegefall unvermittelt auftreten und setzt die Angehörigen unter Druck.  

Unterschiedliche Ausgangslage

Der Grad der Belastung durch die Pflege Angehöriger kann sehr unterschiedlich sein und verstärkt sich oftmals mit zunehmender Dauer. Zudem ist es ein großer Unterschied, ob man ein Kleinkind beim Aufwachsen begleitet oder einen schwerkranken Vater bis zum Tode pflegt. Diese Lebenssituation wird von Beschäftigten häufig nicht offen thematisiert. Hier sind kleinere und mittlere Unternehmen im Vorteil: Wegen der häufig kürzeren Kommunikationswege und direkter Strukturen kennen Vorgesetzte und Personalverantwortliche die Lebenssituationen der Beschäftigten unter Umständen besser und können auf sie zugehen.  

Vereinbarkeit schließt Pflege ein

1,2 Millionen Menschen galten in Nordrhein-Westfalen Ende 2021 als pflegebedürftig, das sind 6,6 % der Gesamtbevölkerung des Bundeslandes. 86 % von ihnen wurden zu Hause versorgt. Die Zahl der Pflegebedürftigen war 2021 um 23,5 Prozent höher als 2019; damals waren 965 000 Personen und damit 5,4 Prozent der NRW-Einwohner pflegebedürftig. 

Diese Zahlen machen deutlich: Das Thema Vereinbarkeit von Pflege und Beruf ist zentral für eine familiengerechte und lebensphasenorientierte Personalpolitik. Pflegende Kolleginnen und Kollegen sind in einer schwierigen und belastenden Situation, die zu Fehlzeiten und einem erhöhten Krankenstand führen kann. Im Interesse aller Beteiligten – ob der Arbeitgebenden, der Kolleginnen und Kollegen oder der Betroffenen selbst – gehört die Pflege von Angehörigen ins Portfolio der Vereinbarkeitsmaßnahmen.  

Wo finden wir Hilfe und Beratung

Sollten Sie selbst in der herausfordernden Situation sein, Ihren Beruf mit der Pflege eines Angehörigen vereinen zu müssen, finden Sie beim Pflegewegweiser-NRW Informationen zu Beratungsstellen für Ihre Fragen. 

Ausführliche Informationen zu den Neuregelungen im Pflegezeitgesetz und im Familienpflegezeitgesetz finden Sie auf dem Informationsportal wege-zur-pflege.de. 

In diesem Erklärvideo werden die Regelungen zum Gesetz zur besseren Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf erklärt. 

Wie Unternehmen das Thema Vereinbarkeit von Pflege und Beruf angehen können, lesen Sie in unserem Praxisbeitrag über die Bornemann-Etiketten GmbH  

Flexibilität in der Gestaltung von Arbeitszeit und -ort wirkt sich positiv auf die Vereinbarkeit aus. Hier können Sie verschiedene Modelle zur Arbeitszeit- und Arbeitsortgestaltung kennenlernen.