Elternsein in Zeiten von Krisen 

Was Kinder in unsicheren Zeiten brauchen und wie Eltern Halt geben können 

Text zuletzt aktualisiert: 10.07.2026

Das Wichtigste zum Elternsein in Zeiten von Krisen im Überblick

  • Ein positives Familienklima, Verbundenheit und Rückhalt sind als wichtige Schutzfaktoren für die psychische Gesundheit von Kindern.  
  • Vermitteln Sie Sicherheit durch stabile Alltagsrituale, feste Zeiten, und positive Momente.  
  • Aktives Zuhören ist wichtiger als die perfekte Antwort auf Fragen. 
  • Kleine Handlungen und gemeinsame Aktivitäten mindern Ängste und fördern die Selbstwirksamkeit. 
  • Professionelle Unterstützung zu suchen, wenn die Belastung zu hoch wird, ist keine Schwäche, sondern elterliche Fürsorge. 

Strategien, die Kindern helfen, auch in turbulenten Zeiten Sicherheit zu spüren

Klimawandel, kriegerische Konflikte, Katastrophen, steigende Lebenshaltungskosten und wirtschaftliche Unsicherheit: Die Vielzahl aktueller Krisen macht vielen Familien Sorgen. Das kann Ängste und Unsicherheit über die Zukunft auslösen. Besonders junge Menschen sind sensibel und verletzlich. Und doch können Kinder, die ein positives Familienklima erleben und zugewandt begleitet werden, die Fähigkeit entwickeln, mit schwierigen Situationen umzugehen. Erfahren Sie, wie Sie Ihr Kind durch Halt und Sicherheit stärken können.  

Ein Vater beantwortet seiner besorgten Tochter Fragen zum Weltgeschehen.

Warum Eltern Fragen nicht ausweichen sollten 

Den Nachrichten im Fernsehen und in sozialen Medien kann niemand entgehen. Kinder sehen Bilder oder schnappen Gesprächsfetzen auf und malen sich in der Fantasie Geschichten aus, die im Einzelfall schlimmer sein können als die Realität. Umso wichtiger ist es, dass Eltern aktiv das Gespräch suchen, wenn sie bemerken, dass ihr Kind bedrückt wirkt. Auf diese Weise können Sie nachfragen, Zusammenhänge einordnen, Gefühle benennen und Sicherheit vermitteln, auch wenn die Welt draußen gerade laut und unsicher wirkt. Wichtig ist, dass Ihr Kind Verständnis, Halt und Sicherheit in der Familie spürt.  

7 Tipps, wie Sie Ihr Kind in Krisenzeiten stärken 

  1. Hören Sie aufmerksam zu 

    Haben Sie ein offenes Ohr, wenn Ihr Kind Fragen stellt oder stiller wird. Ängste, Sorgen und Gefühle Ihres Kindes ernst zu nehmen ist wichtiger als die perfekte Antwort parat zu haben.  

  2. Beantworten Sie Fragen altersgerecht 

    Orientieren Sie sich daran, was Ihr Kind selbst fragt oder beschäftigt. Für Kleinkinder reicht eine kurze Erklärung. Grundschulkindern können Sie konkrete Fragen beantworten, ohne in die Details zu gehen. Mit Jugendlichen können Sie über politische und geografische Hintergründe sowie historische Zusammenhänge diskutieren.  

  3. Benennen Sie Gefühle

    Auch Eltern müssen ihre Betroffenheit nicht verstecken. Es hilft, die Situation sachlich zu beschreiben, ohne zu dramatisieren. Erklären Sie, warum Sie selbst besorgt oder traurig sind. So signalisieren Sie Ihrem Kind: Alle Gefühle sind normal.  

  4. Vermitteln Sie Zuversicht und Sicherheit 

    Setzen Sie positive Signale: Betonen Sie, wie sicher und stabil Ihr Familienleben und Ihr Alltag ist. Zeigen Sie Zuversicht, indem Sie beispielsweise darauf hinweisen, dass viele Menschen zusammenhalten und für den Klimaschutz, humanitäre Hilfe oder bei politischen Krisen gemeinsam an Lösungen arbeiten.  

  5. Begleiten Sie den Medienkonsum bewusst 

    Schützen Sie kleine Kinder unbedingt vor Medienberichten, die Angst, Ohnmacht oder Wut auslösen. Kinder unter 2 Jahren sollten gar keine Nachrichten zu sehen bekommen. Lassen Sie Kinder unter 12 Jahren nicht allein Nachrichten schauen, altersgerechte Nachrichtenformate schauen Sie am besten gemeinsam. So können Sie Fragen direkt beantworten. Geeignete Formate finden Sie in unserem Beitrag Mit Kindern über Krieg sprechen.   

  6. Geben Sie dem Familienalltag Struktur

    Normalität und Struktur im Familienalltag vermitteln Sicherheit. Rituale, feste Zeiten, gemeinsame Momente und Gespräche am Esstisch geben Kindern Stabilität. 

  7. Gemeinsam aktiv werden

    Vermitteln Sie das Gefühl, selbst etwas bewirken zu können. Das mindert Ängste und fördert die Resilienz. Sie können zum Beispiel Pflanzen auf dem Balkon anbauen oder eine Bienenwiese im Garten anlegen, an einer Sammelaktion für humanitäre Hilfe teilnehmen oder eine Kerze für den Frieden anzünden. Selbst mit kleinen Handlungen können Sie Kindern das Gefühl geben, selbstwirksam zu werden. 

Häufige Elternfragen zum Umgang mit Krisen

Wo gibt es Hilfe und Beratung? 

Scheuen Sie sich nicht, Hilfe anzunehmen, wenn Sorgen und Ängste zu belastend werden. Das ist keine Schwäche, sondern zeigt Ihre elterliche Fürsorge.  

Kostenlose telefonische Anlaufstellen:  

  • Für Kinder und Jugendliche:  Die Nummer gegen Kummer ist unter 116 116 erreichbar.  
  • Für Eltern: Beim Elterntelefon erhalten Sie unter 0800 1110550 kostenfreie Hilfe. 
  • Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar unter 0800 111 0 111.  

Helfen können auch der Kinderarzt oder die Kinderärztin sowie ein Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeut oder eine -Psychotherapeutin.  

Unter Mein Familienlotse finden Sie Beratungs- und Anlaufstellen der Familienberatung in Ihrer Nähe.   

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